tollhaus

der name passend, weil ich in einem tollhaus meine pasta verdiene - es würde sogar für tomaten dazu reichen - siehe weiter vorne. jetzt gerade bin ich in der halbzeit und das heisst, es geht nur noch ein paar stunden, bis ich hier ferienhalber mal eine weile nicht mehr auftauche. ist das schön sag ich euch. denn, obwohl es ja eine interessante sache ist, die schrägheit der welt tagtäglich vor augen zu haben und sie vielleicht sogar ab und zu etwas in balance zu bringen, habe ich jetzt gerade die schnauze gestrichen voll.
ich will nur noch bünzlige normalität für die nächsten paar tage. yes!

Kinderlos

Monsieur le Sturer. Wie wir zusammen sassen. In diesem Haus. An dieser Strasse die nach Grenchen führt. Mehr als ein paar Jahre her. Ist das jetzt. Wir sprachen über die Kinderfrage. Ja oder nein. Mit oder ohne. Sie hatten sich schon entschieden. Ich war damals noch entschieden dagegen.

Gestern Abend. An meinem Tisch. Wie wir zusammen sassen. Der Sturrer, le_directeur und je ein Balg. Ihres. Auf einen Löffel mit Leopardenmustergriff bestehend. Meines. Nach einem Schoppen heischend. Just in dem Moment, als der Gratin aufgetragen worden war.

Ist nebst Ihrem doch auch noch mein Los geworden. Sturer. Das mit diesen Kinderlein. Schoss es dem directeur eben durch den Kopf.

P.S. Meinem ist letzte Nacht sein erster Zahn gewachsen. Übrigens.

traum2

das ging so: eine manege. eine band. mein mann wollte ein autogramm von den sehr grossen, schon fast hai-ähnlichen delphinen, die auf balettschuhen an ihren flossen in der manege standen. ein unfreundlicher polizisten-delphin mit einem glänzend orangen kreis um das auge, der in einem strich nach hinten endete - das kennzeichnete ihn eben als polizisten - war tangkauend dicht vor meinem gesicht. ich beschloss aus klimatischen gründen mein outfit zu ändern und hatte dann einen auftritt in einem sehr farbigen sechzigerjahrekleidchen. der drummer der band - ein mensch - schwebte auf einem bau-balken vom himmel.
es ging noch weiter, etwas realistischer. mit ägyptischen langschnauzen-katzen zum beispiel.
nicht jede nacht ist so. manchmal ähneln meine träume auch mehr pasta ohne nichts.

arbeit / 1

Sitze vor dem Spiegel. Und erkenne nichts. Ratlos. Die Weisse erinnert an Schnee. Und an Cornlackes mit Milch ohne Cornflackes. Kein Flackern nimmt mich gefangen. Der Schatten existiert nicht. Die Auflösung beginnt oder ist sie schon zu Ende?

Kaninchen, geschmortes

Heute Abend auf le_directeurs Tisch. Halbes Kaninchen in Stücken. Für die Marinade einen Apfel, eine Birne und eine Zwiebel fein zerrieben. Salz, Pfeffer sowie den Saft einer Zitrone dazu geben. Karotten und Sellerie grob gewürfelt. Lauch in grosse Stücke geschnitten. Backrohr auf 160 Grad vorgeheizt. Kaninchen gesalzen, gepfeffert und scharf angebraten. In den Bräter gegeben und mit der Marinade übergossen. Gemüse, als auch ein Zweiglein Rosmarin hinzu getan. Zugedeckt. Hitze nach einer Stunde auf 120 Grad reduziert, fast drei Stunden weiter schmoren lassen.

Traum

Wie mein Nachbar nachts, während ich schlief, Schilder vor meinem Fenster anbrachte. «Ab 22 Uhr Nachtruhe!». «Während der Fahrt nicht mit dem Cauffeur sprechen!» Die Schilder liess er scheinbar gravieren. Die Rechnung vom Graveur klebte an der Innenseite der Scheibe.

Liest hier zufällig ein Analytiker mit?

Geläufiges Gegenmittel

Was an diesen Sonntagen gut ist. Le_directeur muss an den darauf folgenden Montagen in aller Regel kein Brot erwerben. Er bleibt zu Hause. Auch in aller Regel. Putzt einwenig in der Küche herum. Produziert Nullen und Einsen in seinen Apfelkisten. Oder liest etwas. Und neuerdings. Hütet er das Kind. Seit die Madame le_directeur wieder arbeitet.

Er meint sich daran erinnern zu können. Wie die Sonntage waren. Als er an Montagen noch arbeitete. Unendlich traurig. Wie es einnachtete. Wurde es jeweils schlimmer.

Das Weglassen des montäglichen Broterwerbs ist zum geläufigen Gegenmittel geworden. Dem Traurigen beizukommen. Probat wie eh und je.

wohohooooochenende!

mit ausrufezeichen. die, die es nicht bemerkt haben oder in anderen breitengraden sind: es ist ein herrlicher herbsttag und der ist genauso wie sich herrlicher herbsttag ausspricht. ein bisschen herb aber mit einem schmelz, der die zunge kitzelt. nun ich möchte euch in der kurzfassung sagen: geniesst das wochenende - kraftausdruck nochmal!

kommentatorin

ich tue mich ja bei der zwielichtigen gesellschaft vor allem als kommentatorin hervor und nicht so sehr als verfasserin. nun, ich werde mich bemühen das etwas ins gleichgewicht zu bringen. heute könnte ich zum beispiel vom radio machen erzählen:

Erlebnisbericht

Radio machen?
Klar doch. Ein Bisschen ins Mikrophon brabbeln. Die liebsten Tracks spielen. Einfach frisch von der Leber weg den Äther mit der eigenen Mischung einräuchern.
Nur sitzt man dann vor einem Möbel auf dem sehr – wirklich sehr – viele Knöpfe drauf sind. Solche zum drehen, andere zum schieben und es gibt tatsächlich auch noch solche zum drücken. Während ich also vor diesem Möbel sitze und mich frage, wie ich diesem Pult nur schon feinmotorisch beikommen will, fällt der Blick auf ein schwarz-rund-langes Ding – dem Mikrophon.
Kennen sie die Aufnahmegerätephobie? Diese lächerliche Beeinträchtigung lässt die Betroffenen beim Anblick eines Aufnahmegerätes in spastische Zuckungen und unkontrollierte Vokalisationen ausbrechen. Seien es Kameras oder Mikrophone, sie stellen eine echte Belästigung dar. Es ist schlicht unglaublich, welch abstrusen Wortverbindungen herauskommen, wenn das Ganze aufgenommen wird. Hat sich einmal ein Satz überraschenderweise korrekt, ohne Quäkstimme und einigermassen sinnvoll aus dem Mund gelöst, kommt einem das Krampfhändchen in den Sinn, das vergessen hat den Regler hochzuschieben. Ja gell, da ist dann nichts auf dem Tonbändli (Äther)!

Brauchen sie jeweils ihren kleinen Adrenalinschub? Machen sie Radio. Ich kann’s nur empfehlen. Auch nach dem zehnten Mal ist die Hand nicht dort wo sie sein sollte. Die Geräte machen was sie wollen und zeigen nur in sehr freundlichen Momenten absolute Kooperation. Die Stimme unternimmt Reisen in unerwartete Höhen und Tiefen. Plötzliche Gehirn-Lähmungen und pupertäre Kicheranfälle werden ihnen so vertraut sein, wie all die hübschen Knöpfe und Schalter. Ein Ventilator pustet die Zettel durcheinander, die eigentlich vor verbaler Sinnlosigkeit retten sollten. Es gibt viele Kabel, die falsch eingesteckt werden können. Einfach zu bedienen sind nur die Kopfhörer, die anatomisch so angepasst sind, dass Verwechslungen praktisch unmöglich sind. Und das ist doch schon mal etwas. Solange die Kopfhörer richtig auf sind, sieht es wenigstens souverän aus.

Ja. das waren die anfänge. heute kommt es doch schon vor, dass sich eine sendung im nachhinein nicht nach einer einzigen katastrophe, respektive peinlichkeit anhört. die stimme ist immer noch ein thema für sich, aber wer mag schon seine stimme! es ist tatsächlich eine lustige spielwiese, so ein radiostudio und allen podcastern kann ich da nur - ja ich weiss das ist glatteis - empfehlen einmal einen (sehnsüchtigen) blick auf die gute alte technik zu werfen. oder noch fieser: bedauernd auf die schultern klopfen. so ich warte auf die kommentare die es jetzt hageln sollte. podcaster auf! verteidigt oder erklärt mir hier die lust an eurer sache.

90°

Die Fotografien von Lucy Luck anstarren. Bläuliche Lochkamerabilder. Vom Schiffshebewerk Niederfinow.

Und dabei auf eine weitere Heiz-Episode mit Sturer kommen.

Madame Luck wohnte damals noch in Potsdam. In einer alten Villa. Aber mit Zentralheizung. Der Kessel stand in der Küche und wurde mit Briketts beheizt.

Vor fünf Jahren. Mit Sturer dort gewesen. Im Februar. Es war scheiss kalt. Wir heizten diesem Ofen mächtig ein. Worüber sich Frau Hunger freute. Weil sie die Heizung nie recht in Gang kriegte, machten wir Madame Lucks Mitbewohnerin eine bebilderte Gebrauchsanweisung. 90° war der Titel. Sturer auf Polas in gewagten Kostümen (zum Teil nur mit einem Stück Fell bekleidet. Wenn ich mich recht entsinne). Als Beglutachter zum Beispiel. Im Hintergrund lief Rio Reiser. Was lediglich dem directeur wirklich gefiel.

Am Tag darauf mieteten wir einen BMW und fuhren nach Eberswalde. Das riesige Schiffshebewerk fotografieren.
Beiträge  1 - 10 /31